Alternative Antriebslösungen: Herausforderung und Chance für den Landtechnikhandel
Künftig werden Traktoren und Landmaschinen mit alternativen Kraftstoffen oder elektrisch angetrieben. Auf der AGRITECHNICA 2025 werden etliche Serienmaschinen und Prototypen mit alternativen Antriebslösungen zu sehen sein. Vor allem die elektrischen Antriebe werden tiefgreifende Auswirkungen auf den Landtechnikhandel haben. Von den Händlern werden neue Vertriebs-, Service- und Ausbildungskonzepte in der Zukunft gefordert. Sie können diese Veränderungen aber auch als Chancen sehen, sich anzupassen und ihr Geschäftsmodell entsprechend auszurichten.
Die Frage, mit welchen alternativen Antriebslösungen Traktoren und andere Landmaschinen künftig betrieben werden, beschäftigt die gesamte Agrarbranche. Die in der Zukunft anstehende Umstellung auf alternative Kraftstoffe und elektrische Antriebe kann tiefgreifende Auswirkungen auf den Landtechnikhandel haben. Für die Händler kann dieser Wandel nicht nur eine technologische, sondern auch eine strategische und organisatorische Neuausrichtung bedeuten.
Die Landwirtschaft steht am Beginn einer neuen Ära: Traktoren mit dieselbetriebenen Motoren werden künftig zunehmend durch Fahrzeuge mit alternativen Antrieben ersetzt. Mehrere Technologien gelten derzeit als aussichtsreich, wobei keine alleinige Lösung erkennbar ist. Vielmehr wird sich ein technologischer Mix etablieren. Diese Vielfalt erfordert Anpassungen in Vertrieb, Beratung und Werkstatt. Der klassische Produktverkauf tritt zunehmend in den Hintergrund – gefragt sind umfassende Systemlösungen.
Alternative Kraftstoffe für Verbrennermotoren
In den folgenden Jahrzehnten wird es einen noch erheblichen Maschinenbestand mit Verbrennermotor auf den Höfen geben. Aus mehreren Gründen: Zum einen sind in Abhängigkeit vom verwendeten alternativen Kraftstoff keine oder nur kleine Modifikationen am Fahrzeug erforderlich. Hinzu kommt die lange Lebensdauer der Maschinen und dass eine vorzeitige Neuanschaffung sehr viele Betriebe finanziell nicht schultern könnten. Last, but not least, fehlt es derzeit auch an finanziellen Anreizen für eine Umstellung durch die Politik.
Um die Maschinen sowie nicht elektrifizierbare Anwendungen CO2-freundlich zu gestalten, braucht es alternative Kraftstoffe. Das Gute dabei ist, dass einige davon in bestehenden Fahrzeugen genutzt werden können. Kraftstoffe wie Biodiesel, HVO (hydriertes Pflanzenöl) und E-Fuels sind interessante Lösungen, um eine Verringerung der CO2-Emissionen relativ schnell umsetzen zu können. Sie sind aber auch mit Herausforderungen verbunden. Denn jeder Treibstofftyp hat Vor- und Nachteile mit Blick auf seine Eigenschaften, Verfügbarkeit und Lagerung.
Bestehende Lager- und Tankinfrastrukturen nutzen
Für den Landtechnikhandel können bei alternativen Kraftstoffen Investitionen in die Lager- und Tankinfrastruktur anfallen. Mit bestimmten Kraftstoffen wie HVO und E-Fuels können bestehende Anlagen weiterhin genutzt werden. Bei der Lagerung von Biodiesel ist zu prüfen, ob sich die Tanks dafür eignen (Bauartzulassung). Das gilt auch für die Materialverträglichkeit von Komponenten der Zapfsäule. Des Weiteren darf das komplette Tankbehältersystem keine Buntmetalle oder deren Legierungen enthalten, um Korrosion, die Bildung von Metallseifen oder eine schlechtere Langzeitstabilität zu vermeiden. Verzinkte Behälter eignen sich ebenfalls nicht zur Lagerung von Biodiesel.
Elektrifizierung bedingt große Veränderungen
Weitaus größere Veränderungen für den Landtechnikhandel bringt die Elektrifizierung der Landmaschinen mit sich. Elektroantriebe werden zukünftig vor allem im Hofbereich eingesetzt, beispielsweise in Hoftraktoren und Radladern, sowie in Dauerkulturen wie Obst- und Weinbau. Für schwere Feldarbeiten eignet sich der Elektroantrieb aufgrund der zu geringen Leistungsdichte der Batterien und der eingeschränkten Leistungszeiten der Landmaschinen nicht.
Mit der Einführung von elektrisch betriebenen Fahrzeugen in die Landwirtschaft sind neue Kenntnisse und Kompetenzen von den Händlern und den Mitarbeitenden gefordert. Der Landtechnikhandel wird künftig nicht mehr nur Maschinen verkaufen, sondern zunehmend Gesamtsysteme. Dies erfordert eine erhöhte Beratungskompetenz, denn Kunden erwarten eine fundierte Beratung zu unterschiedlichen Antriebskonzepten, Reichweiten und Betriebskosten. Ein weiterer Punkt ist die Integration von Ladeinfrastruktur, die der Händler künftig mitverkaufen muss.
Elektrisch betriebene Maschinen haben auch eine andere Wartung und Diagnostik zur Folge. Sie haben wesentlich weniger mechanische Teile, die defekt werden oder ausgetauscht werden müssen, und Motoröl benötigen sie ebenfalls nicht. Die Landtechnikhändler müssen dadurch neue Wege finden, um Einnahmen zu erzielen.
Elektrisch angetriebene Fahrzeuge erfordern des Weiteren eine neue Werkstattausrüstung. Damit verbunden sind unter anderem isolierte Werkzeuge, Sicherheitsvorkehrungen für den Batterieservice sowie Schulungen zu der in den Landmaschinen verbauten Hochvolttechnik und den sicheren Umgang mit ihr.
Lebenslanges Lernen wird Standard
Apropos Schulungen: Die rasanten technologischen Entwicklungen werfen die Frage auf, ob die Ausbildung damit noch Schritt halten kann. Klar ist, dass die aktuelle Ausbildung zum Landmaschinenmechatroniker nicht ausreichend auf Elektroantriebe vorbereitet und entsprechend weiterentwickelt werden muss. Landmaschinenmechatroniker benötigen zunehmend Kenntnisse in Elektronik, Software und Energietechnik. Überhaupt wird lebenslanges Lernen zum Standard. Je nachdem, welche alternativen Antriebe sich in Zukunft durchsetzen werden, besteht womöglich sogar die Notwendigkeit, sich auf einzelne Antriebstechniken zu spezialisieren.
Verkäufer müssen sich ebenfalls weiterqualifizieren, um ihre Kunden kompetent über Elektrotraktoren und Ladeelektronik beraten zu können. Sie müssen Antworten auf die Fragen ihrer Kunden geben, die sich über Leistungszeiten, Ladeinfrastruktur, Lebensdauer von Batterien und Betriebskosten informieren möchten. Kompetente Verkäufer können ihren Kunden nicht nur sämtliche Fragen beantworten, sondern ihnen auch die Sicherheit geben, in punkto Elektroantriebe an der richtigen Stelle zu sein. Nur mit gezielter Aus- und Weiterbildung kann die Branche die nötige Fachkompetenz sichern und Nachwuchskräfte für diese spannende Zukunft begeistern.
Das Serviceangebot erweitern
Mit der Entscheidung für eine elektrisch angetrieben Landmaschine stellt sich für die Landwirte automatisch auch die Frage nach einer passenden Ladeinfrastruktur. Das bietet den Landtechnikhändlern die Möglichkeit, ihr Serviceangebot zu erweitern, beispielsweise durch die Montage und Wartung von Ladestationen und Wallboxen oder indem sie die Landwirte zum Thema Fotovoltaik und Laden beraten oder ihnen Leistungen rund ums Laden, wie einen Abrechnungsservice, bieten. Mit solchen erweiterten Services können die Landtechnikhändler zu One-Stop-Shops für alle Bedürfnisse rund um die landwirtschaftliche Elektromobilität werden, was sie gleichzeitig sehr attraktiv für ihre Kunden machen kann.
Fazit
Die Transformation der Landtechnik durch alternative Kraftstoffe und neue Antriebskonzepte ist keine ferne Vision – sie hat längst begonnen. Die wachsende Zahl an Exponaten mit alternativen Antriebslösungen auf der AGRITECHNICA 2025 belegt dies nachdrücklich. Für den Landtechnikhandel bedeutet das: Jetzt ist die Zeit, sich strategisch und technologisch neu aufzustellen. Wer die Entwicklungen frühzeitig mitgestaltet, wird nicht nur technischer Dienstleister, sondern strategischer Partner der Landwirtschaft von morgen.
Der Landtechnikhandel steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Erfolgreich wird sein, wer Technologiekompetenz aufbaut, seine Mitarbeitenden mitnimmt und schult und kundenorientierte Service- und Vertriebskonzepte entwickelt. Die Ausbildung muss beschleunigt angepasst und durch kontinuierliche Weiterbildung ergänzt werden. Ein strategisches Umdenken ist unumgänglich – gleichzeitig bietet dieser Wandel viele Chancen für eine zukunftsfähige, nachhaltige Landtechnikbranche. Wer als Partner der Landwirtschaft in Sachen alternative Antriebe und Energieinfrastruktur agiert, positioniert sich langfristig erfolgreich – nicht trotz des Wandels, sondern dank ihm.
Auf der AGRITECHNICA 2025 finden Landtechnikhändler in Halle 2 das DLG Spotlight Werkstatt Live und das International Dealer Center, wo genau diese Themen gezeigt, diskutiert und in praxisorientierten täglichen Pop Up Talks präsentiert werden. In Zusammenarbeit mit dem LandBauTechnik Bundesverband e.V. werden hier alle Informationen rund um Aus- und Weiterbildung für eine sich wandelnde Branche angeboten.